Die Geschichte des Shure SM7(B)

Die Geschichte des Shure SM7(B)

Paul Crognale | December 21, 2012

Das Shure SM7 ist ein  dynamisches Sprechermikrofon und wurde 1976 erstmals vorgestellt. Dieses  Mikro, das heute als SM7B erhältlich ist, verfügt über eine  beeindruckende Geschichte und hat vor allem in den letzten zwei Jahren  eine regelrechte Renaissance erlebt. Aber warum? Um das herauszufinden,  haben wir uns mit John Born, Product Manager bei Shure, unterhalten.  Vorab weist er uns aber auch darauf hin, dass jede Diskussion über das  SM7B auch die Modelle SM5 und SM57 einschließen muss. Diese beiden  Mikros waren, zu unterschiedlichen Zeiten, der Standard, an dem das SM7  gemessen wurde.

Ein Ausflug in die Vergangenheit 

Die Geschichte des SM7  beginnt mit dem SM5 Broadcast-Mikrofon – ein dynamisches Mikrofon, das  nach seiner Vorstellung im Jahre 1966 schnell den Weg in viele Radio-  und TV-Stationen fand.

Auszug aus dem Shure Produktkatalog, 1974


Auszug aus dem Shure Produktkatalog, 1974     

Obwohl sich das SM5 im Broadcastbereich großer Beliebtheit erfreute,  entschied sich Shure, ein Update mit kompakterem Formfaktor zu  entwickeln (das SM5 war geradezu riesig – 25 cm lang). Gleichzeitig  sollten einige der Klangeigenschaften des erst kurz zuvor vorgestellten  SM57 berücksichtigt werden, um weitere Märkte, abseits der  Broadcast-Industrie, zu erschließen.

Laut John ging die Entwicklung des SM7 ungefähr so vonstatten: „Eine  Gruppe von Shure Ingenieuren bekamen die Kapsel des SM57 (Unidyne III)  und den Auftrag, ungeachtet irgendwelcher Größen- oder  Kosten-Vorschriften, es besser zu machen. Dabei haben sie sich ganz  schön verausgabt.“

Variationen der Shure Unidyne III Kapsel finden sich in vielen  dynamischen Shure Mikrofonen wieder. SM57, SM58 und SM7B sind allesamt  akustisch ähnlich aufgebaut, aber dennoch gibt es einige Unterschiede  zwischen der Kapsel im SM7B und der im SM57/SM58:

Doug Johnson vom Sender KPCC vor einem SM5B. Ganz schön stattlich, oder? (Copyright: http://www.courant.org)


Doug Johnson vom Sender KPCC vor einem SM5B. Ganz schön stattlich, oder? (Copyright: http://www.courant.org)     

Die Membran des SM7B wurde speziell für einen verbesserten Bassbereich optimiert

  • Das größere Gehäuse des SM7B ermöglicht tiefere Resonanzen –  wodurch ein kräftigere Basswiedergabe erzielt wird.
  • Der integrierte Erschütterungsabsorber des SM7B ist darauf  ausgelegt, Stativ-Vibrationen zu minimieren, während der Absorber im  SM57/SM58 darauf optimiert wurde, Handling-Geräusche zu reduzieren.

Noch ein paar Infos von John: „Das SM7 war als Allzweckmikrofon  konzipiert und damit praktisch universell einsetzbar. Es verfügt über  einen gleichmäßigeren und breiteren Frequenzgang als die Modelle SM57  und SM58. Doch durch Features wie die schaltbare Bassabsenkung und  Präsenzanhebung schneidet das SM7 auch in Disziplinen, in denen SM57 und  SM58 zuhause sind, gut ab.“

Das SM7 wurde 1976 auf den Markt gebracht und ersetzte schließlich das SM5B, dessen Produktion 1986 eingestellt wurde.

Der Thriller Effekt 

Im Laufe der letzten 30  Jahre fand das SM7 unter Anderem seinen Weg in die Recording-Studios.  Der wohl bekannteste Fall: Michael Jacksons überragendes Album  „Thriller“. Quincy Jones und sein Aufnahme-Ingenieur Bruce Swedien  verwendeten hierbei das SM7 für fast alle Gesangsaufnahmen von Michael.

Das war eine recht gewagte Wahl. Zunächst einmal war das vorherige  Michael Jackson Album „Off The Wall“ die erste Solo-Platte, die allein  vier Top 10 Single-Auskopplungen zu Tage förderte – plus einen Grammy  für die Single „Don’t stop til you get enough“. Da war die Messlatte  natürlich ganz schön hoch angesetzt. Aber Michael Jackson hatte den  Anspruch, es noch besser zu machen und engagierte dafür das gleiche  Produktionsteam wie zuvor. Das daraus resultierende Werk „Thriller“ von  1982 (man bedenke, wir reden hier von Vinyl) entwickelte sich zum  meistverkauften Album aller Zeiten – sage und schreibe 110 Millionen  Stück wurden bis heute verkauft.

Warum wurde ausgerechnet das SM7, welches damals eher der Standard  für Radio und Voice Over war, ausgewählt, obwohl den Produzenten diverse  High-End Recording-Mikrofone zur Verfügung standen? Diese Frage hat  Bruce Swedien bereits in seinem Buch „In the Studio with Michael  Jackson“ beantwortet: „Das Shure SM7 ist eines meiner absoluten  Lieblingsmikrofone. Ich habe die meisten Michael Jackson Hits mit diesem  Mikro aufgenommen, es ist einfach ein großartiges Mic.“

“Ich hatte quasi Narrenfreiheit bei der Wahl meiner Mikrofone und  keiner hat sich je eingemischt. Ich machte einfach, was mir richtig  erschien. So verwendete ich z. B. ein Shure SM7 für die meisten von  Michaels Lead-Gesängen. „Bille Jean“, „The way you make me feel“ – und  da machten einige ganz große Augen. Aber ich liebe dieses Mikro und habe  immerhin sechs Stück davon. Das erste habe ich 1977 gekauft, eines der  ersten SM7, das überhaupt bei einem größeren Musikprojekt verwendet  wurde. Logischerweise ist es dynamisch und hat einen großartigen Job  gemacht, alle Lyrics von Michael sind extrem klar und verständlich.“

Was sind die Unterschiede zwischen SM7, SM7A und SM7B? 
  • Das SM7 ist der Ursprung und wurde 1975 vorgestellt.
  • Das überarbeitete SM7A kam 1999 auf den Markt und beinhaltete u. a. eine verbesserte Brummkompensationsspule.
  • 2001 folgte dann das SM7B, das mit einem größeren Windschutz ausgestattet ist.
  • Klangtechnisch sind alle drei Mikrofon-Versionen identisch.
Nichts ist unmöglich 

Während jede Menge echter Fans die Hoffnung nie aufgegeben haben,  dass Shure eines Tages das SM5B zurückbringt, hat das SM7B  zwischenzeitlich einen beachtlichen Popularitätsgrad erreicht, das ihm  schon fast (Audio-) Legenden Status einbringt. Die Verwendung als  Instrumenten- und Vokalmikrofon im Live-, Broadcast- und  Recording-Bereich hat ihm diese „alles ist möglich“ Aura verliehen.

Ryan Smith, bei Shure zuständig für Artist Relations, stimmt zu: „Das  SM7B kommt regelmäßig bei größeren Produktionen zum Einsatz, sowohl für  den Lead-Gesang als auch für andere Applikationen – Gitarrenverstärker,  Bassverstärker, Kick Drum, Hihat, Snare und viele mehr.“ Death Cab for  Cutie, John Mayer, James Hetfield, Keith Urban, My Chemical Romance,  Billy Idol und Mando Diao vertrauten bereits auf das SM7B. Und angeblich  soll auch Bob Dylan ein großer Fan sein.

Eure Entscheidung 

Offensichtlich hat das SM7B die Ansprüche, die die Ingenieure in den  70ern bei der Entwicklung hatten, mehr als erfüllt. Und während es z. B.  schlechte Aufnahmebedingungen verschleiert, mit schrillen  Gesangseinlagen klar kommt und sich sowohl für die Bassdrum als auch für  Gitarrenverstärker eignet, könnt nur Ihr entscheiden, wofür Ihr dieses  Mic einsetzen wollt.

Am besten, Ihr testet und vergleicht das SM7B selbst. Schließlich ist guter Sound rein subjektiv.

Paul Crognale

Paul works in Global Marketing for the Retail Channel, and also assists with Artists Relations & Partnerships. In his spare time, he is an avid collector of vinyl and runs a couple of record labels of his own. He also has a 'peach' or potentially 'pink' coloured bike – this fact is the source of much amusement to his colleagues.