Red Bull Soundscapes: Wie Tonspuren aus dem Extremsport zu Audio-Tracks werden

Marc Young | April 10, 2019

Das Flugzeug steigt mit enormer Geschwindigkeit in den Himmel auf, es zieht im Bruchteil einer Sekunde vorbei, dabei stößt es ein schrilles Heulen aus. Eine Frau hält ihr Mikrofon hoch in die Luft und lächelt dann strahlend.

„Das ist Martin Šonka, der Pilot, mit dem ich mich vorhin getroffen habe. Er meinte, ich soll genau an diesem Punkt der Bahn stehen, um genau diesen Moment aufzunehmen“, erzählt sie. „Na, jetzt gibt er aber ganz schön an!“

Mali Larrington-Nelson ist eine Produzentin aus Südlondon, die unter dem Namen Shy One Songs veröffentlicht. Sie gilt als neuer Star in der britischen Grime-Musikszene und ist zum Red Bull Air Race auf dem Indianapolis Motor Speedway gekommen, um Sounds für einen exklusiven Track einzufangen.

Red Bull steht für sportliche Abenteuer, von spektakulären Wettflügen bis zu waghalsigen Downhill-Duellen. Aber wie hört sich ein Abenteuer eigentlich an? Genau das will Shure gemeinsam mit Red Bull herausfinden.

Drei aufstrebende Künstlerinnen erhielten dafür das brandneue MV88+ Video Kit, um bei Red Bull-Sport-Events Audiomaterial aufzunehmen und daraus vollkommen neue Songs zu kreieren.

Red Bull Soundscapes

Während Larrington-Nelson nach Indianapolis reiste, machte sich Anz zum Red Bull Hardline Mountainbike-Rennen nach Wales auf, HAAi hingegen flog nach Japan, um das Red Bull Crashed Ice Schlittschuhrennen zu sehen. Die Tracks aus diesen Erlebnissen bilden nun das Projekt Soundscapes.

„Der Sound wird bei Sportveranstaltungen oft als Selbstverständlichkeit betrachtet oder spielt nur eine untergeordnete Rolle. Wenn man jedoch darüber nachdenkt, wären Aufnahmen von Live-Events nichts ohne den entsprechenden Ton“, sagt Paul Crognale, Global Marketing Manager für Musician & Consumer Audio bei Shure.

„Schlittschuhfahrer, die mit Rekordgeschwindigkeit über die Strecke rasen, das jubelnde Publikum, das Ausweichen in Sekundenschnelle, die Schritte, das Ächzen, die Sprünge und Stürze. Das sind die Momente, die das Erlebnis wirklich aufregend machen.“

Allerdings muss man sich erst einmal aktiv auf die Jagd nach solchen Tonspuren begeben, um zu sehen, wie sehr der Sound ein Ereignis wie z. B. ein Air Race prägt.

„Es war eine Riesenauswahl an Sounds – ich konnte aus so vielen verschiedenen Dingen wählen“, erklärt Larrington-Nelson. „Das wichtigste Element ist dabei wahrscheinlich das Flugzeug selbst.“
 

Als sie zurück im Studio ist, erschafft sie aus dem Aufheulen der Maschine etwas komplett Neues – das einem dennoch bekannt vorkommt. Es klingt wie dieses Geräusch, wenn jemand summt und dabei wiederholt den Mund mit der Hand bedeckt.

„Ich habe da eine ganze Reihe von Effekten hinzugefügt“, sagt sie. „Ich liebe es! Und ich dachte mir: So etwas muss ich öfter machen.“

Dann baut Larrington-Nelson den Track um weitere Elemente herum auf, die sie bei dem Wettflug aufgenommen hat: „Da hört man den Kommentator, das Flugzeug, das Schließen des Cockpits und das Geräusch der Landeklappen.“

Bikes und Breakbeats

Die Produzentin Anz aus Manchester – mit richtigem Namen Anna-Marie Odubote – lässt sich inmitten der walisischen Landschaft inspirieren. Sie besucht hier das Red Bull Hardline, eines der brutalsten Downhill-Radrennen aller Zeiten.

Odubote bittet den Teilnehmer Kaos Seagrave um ein paar Tipps, wo sie an der Strecke passendes Material für ihren Song aufnehmen könnte.

„Auf der Strecke gibt es eine Stelle namens Waterfall Edge, die wäre gut geeignet“, sagt er. „Und dann die Road Gap, weil man dort hört, wie die Reifen auf die Erde prallen.“

Als die Biker einen engen, zerklüfteten Pfad an einem Berghang hinabschießen, bringt Odubote ihr leicht ramponiertes Smartphone am MV88+ Video Kit an. Obwohl ihr Smartphone schon bessere Zeiten gesehen hat, ist sie sofort beeindruckt von der Qualität des aufgenommenen Audiomaterials: „Ein so klarer Klang, das ist einfach großartig!“

Während sie beobachtet, wie die Biker wiederholt an einer unebenen Rampe in die Luft emporschnellen, überlegt die Produzentin, die regelmäßig beim englischen Radiosender NTS auflegt, in welche Richtung sich ihr Song wohl entwickeln wird.

„Ich spüre schon, wie er in meinem Kopf Gestalt annimmt“, berichtet sie, während sie eine Melodie vor sich hin summt. „Viele der Geräusche, die ich hier aufgenommen habe, sind eher räumlich. Das soll sich auch in meinem Track widerspiegeln. Ich bin schon so gespannt darauf, ins Studio zu gehen und zu sehen, was sich daraus machen lässt.“

Adrenalin auf dem Eis

Schon bald, nachdem sie in Yokohama eingetroffen ist, weiß Teneil Throssell ganz genau, wonach sie beim hiesigen Red Bull Crashed Ice Rennen auf die Jagd gehen wird.

„Ich möchte ein paar schöne Knirschgeräusche einfangen – also das Geräusch der hart auf dem Eis auftreffenden Schlittschuhe. Ich denke, das wird eine gute Grundlage für einen Beat“, sagt die australische DJane und Produzentin, die in London lebt und unter dem Namen HAAi arbeitet.

Als die Eisläufer eine stark gewellte Bahn hinabrasen, lässt sich auf jeden Fall reichlich knirschendes Eis einfangen. Aber wie sich herausstellt, wird dies nicht Throssells Lieblings-Tonspur an diesem Tag.

Sie überwacht die Aufnahme über ihr Smartphone-Display, das unter dem MV88+ Mikrofon befestigt ist, und grinst, nachdem sie das Mikrofon nah an eine Schlittschuhkufe gehalten hat, die an einem Funken sprühenden Schleifgerät geschärft wird.

„Das klang fantastisch. Ich höre gerade oft Musik, die so ähnlich klingt“, sagt sie und lacht.

Dann bittet Throssell den Red Bull Crashed Ice Weltmeister Scott Croxall um ein paar Empfehlungen, wo sie beim Rennen besonderes Audiomaterial finden könnte.

„Wahrscheinlich wird es am Start die besten Sounds geben. Die ersten drei Schritte werden ziemlich heftig“, erzählt er ihr.

Nachdem die Sonne untergegangen und sie die steile Treppe zum Start der Rennstrecke hinabgestiegen ist, versucht Throssell, den anfänglichen Adrenalinschub einzufangen, den man spüren kann, als die Teilnehmer den steilen, eisigen Hang hinabschießen.

„Das wird etwas ganz Besonderes“, sagt sie. „Ich habe heute so viele großartige Sounds aufgenommen.“

Nachdem die Produzentin im Studio die Aufnahme gefunden hat, die im Mittelpunkt stehen soll, fügt sich ihr Track schnell zusammen.

„Es hat etwas gedauert, bis ich an diesen Punkt kam und mich festlegen konnte, in welche Richtung ich eigentlich gehen will“, erklärt Throssell, die für ihre eklektischen musikalischen Einflüsse bekannt ist. „Ich wollte die Tonspuren sehr ursprünglich belassen.“

Alle Songs für das Red Bull Soundscapes Projekt wurden ausschließlich mit dem Shure MV88+ Video Kit aufgenommen.

Marc Young

Marc ist Redakteur mit journalistischem Background und kümmert sich bei Shure um sämtliche Themen rund um Sound. Sein mittelmäßiges Gitarrenspiel versucht er mit hochwertigen schriftlichen Erzeugnissen auszugleichen. Er lebt in Berlin, einer der Top-Städte Europas in Sachen Musik.