In-Ear Monitoring Grundlagen

Shure Incorporated | December 31, 2017

Wann war das letzte Mal, dass du einen perfekten Auftritt unter  Verwendung eines Monitorlautsprechers hattest? Bei dem du alles hören  konntest, kein Feedback erfahren hast, die Lautstärke perfekt war und  der Monitor-Ingenieur sofort und ohne Einwände auf jeden deiner Wünsche  reagiert hat? Wenn du dich an solch einen Auftritt nicht erinnern  kannst, bist du damit wahrscheinlich nicht allein. Jeder, der schon  einmal live performt hat, stand sicherlich schon mal vor einem  mittelmäßigen Monitorlautsprecher, aber selbst die richtig guten haben  ihre Grenzen, die in den Gesetzen der Physik begründet liegen. Das  Konzept des In-Ear Monitorings basiert auf dem Wunsch, ein Hörerlebnis  auf der Bühne zu schaffen, das die negativen Begleiterscheinungen  herkömmlicher Monitorboxen eliminiert.

Warum In-Ear Monitoring? Jeder, der schon einmal live performt hat, stand sicherlich schon mal vor einem mittelmäßigen Monitorlautsprecher, aber selb… 

Hohe Klangqualität 

Es gibt ein paar Faktoren, die, als Ganzes betrachtet, für die hohe  Klangqualität von In-Ear Monitoring Systemen verantwortlich sind. Dazu  zählen die optimale Lautstärke, Rückkopplungsfestigkeit, Schutz des  Gehörs, reduzierte stimmliche Belastung und weniger Interferenzen mit  dem Publikumsmix.

Optimale Lautstärke 

Eine der häufigsten Bitten an Monitor-Ingenieure lautet: "Kannst Du  mich lauter machen??" Eine Bitte, der sie nicht immer nachkommen können.  Es gibt viele Gegebenheiten, die festlegen, wie laut ein Signal  gefahren werden kann, wenn man Bühnenmonitore verwendet: die Größe der  Verstärker, die Leistung der Lautsprecher und das Gain. Ein weiterer  Punkt, der es erschweren kann, sich selbst richtig zu hören, ist der  Lautstärkepegel auf der Bühne. Sänger setzen oftmals nur auf  Bühnenmonitore – im Gegensatz zu Gitarristen, Bassisten oder  Keyboardern, deren Instrumente generell verstärkt werden. Und  Schlagzeuger sind von Natur aus lauter, auch ohne Verstärkung. Die  üblichen Lautstärke-Battles bleiben da manchmal nicht aus, da jeder  Musiker immer darauf bedacht ist, sich selbst aus diesem Musik-Wirrwarr  herauszuhören. Die Brillanz der Stimme kommt gerne unter die Räder, wenn  andere Instrumente zum Monitormix hinzugefügt werden. Pianos,  Akustikgitarren und andere Instrumente, die ebenfalls auf einen Monitor  angewiesen sind, liegen dann mit der Gesangsstimme im Clinch um die  entsprechende Berücksichtigung im Mix. Ein In-Ear Monitoring System, das  den Künstler von hoher Bühnenlautstärke und schlechter Raumakustik  isoliert, erlaubt es ihm, einen Klang in Studioqualität zu erzielen –  und das auf der Bühne!
Der Monitormix kann dann dem persönlichen Geschmack angepasst werden,  ohne dass der Künstler sich gegen die o. g. Faktoren durchsetzen muss.

Rückkopplungsfestigkeit 

Wenn höhere Lautstärken unter Verwendung von herkömmlichen  Monitorboxen umgesetzt werden sollen, kannst du zwar mehr Verstärker und  mehr Lautsprecher ranhängen, aber du kannst nicht die Gesetze der  Physik umgehen. Das Konzept der Rückkopplungsfestigkeit  (Gain-before-Feedback) beschreibt, wie laut ein Mikrofon sein kann,  bevor es zu Rückkopplungen kommt.
Je weiter du dich vom Mikrofon entfernst, je näher das Mikrofon zum  Lautsprecher gebracht wird oder je weiter der Lautsprecher vom Musiker  entfernt steht, desto geringer ist die Rückkopplungsfestigkeit. Stellen  wir uns mal ein typisches Bühnen-Szenario vor: Das Mikro steht nahe zum  Mund, das ist gut.
Das Mikrofon steht nahe zum Lautsprecher, das ist schlecht. Der Monitor  steht relativ weit von dir entfernt, das ist auch schlecht.  Rückkopplungen entstehen, wann immer der Sound, der in ein Mikrofon  hineingelangt, von einem Lautsprecher reproduziert und dann noch einmal  vom selben Mikrofon aufgenommen wird. Für eine vernünftige  Monitor-Lautstärke benötigst du allerdings durchaus etwas Gain.
Beim In-Ear Monitoring gibt es diese ganzen Rückkopplungs-Probleme  nicht. Die Lautsprecher sitzen direkt in Eurem Gehörgang und damit  ziemlich weit weg vom Mikrofon. Und ohne drohendes Feedback kann die  Lautstärke beliebig erhöht werden.

Schutz des Gehörs 

Wenn du dich über einen längeren Zeitraum hohen Schalldruckpegeln  aussetzt, kann das zu Beeinträchtigungen deines Gehörs führen. Viele  Künstler verwenden einen Gehörschutz wie Ohropax, um ihr Gehör zu  schützen, die allerdings oftmals eine Änderung des Frequenzgangs mit  sich bringen. In-Ear Monitoring liefert einen Schutz, der dem von  Ohrstöpseln nahekommt, aber mit dem Unterschied, dass kleine  Micro-Lautsprecher in den Stöpseln stecken. Die Monitor-Lautstärke ist  damit in den Verantwortungsbereich des Künstlers auf der Bühne  gewandert. Zu laute Pegel sollten damit der Vergangenheit angehören. Für  noch effektiveren Schutz des Gehörs empfehlen wir zudem die Nutzung  eines Limiters.

Reduzierte stimmliche Belastung 

Ein weiteres Problem, neben dem der Lautstärke, ist die große  stimmliche Belastung der Sänger bei normalen Bühnenmonitoren. Um deren  Lautstärke zu kompensieren, sehen sich viele Sänger gezwungen, mit mehr  Power dagegen anzusingen, als normal oder gesund wäre. Jeder, der seinen  Lebensunterhalt mit Gesang bestreitet, kann sich vorstellen, welche  Konsequenzen es hätte, seine Stimme zu verlieren. Der Schutz der Stimme  sollte daher immer eine hohe Priorität genießen. In-Ear Monitoring  Systeme sind die perfekte Schutzmaßnahme für alle Sänger.

Stereo Monitoring 

Ein deutlicher Vorteil der meisten In-Ear Systeme ist die  Möglichkeit, Stereo zu hören. Das passt zwar nicht unbedingt immer und  überall, besonders, wenn nur eine eingeschränkte Anzahl an Mixes zu  Verfügung steht, aber generell liefert ein Monitormix in Stereo ein  akkurates Abbild der Umgebung. Schließlich verbringen wir unser  komplettes Leben in Stereo, da ist es nur logisch, dass ein Mix in  Stereo die Empfindung eines natürlichen Klangbilds erhöht. Zudem kann  In-Ear Monitoring in Stereo zur Drosselung der Lautstärke beitragen.

Interferenzen mit dem Mix des Publikums 

In-Ear Monitoring birgt aber nicht nur Vorteile für die Musiker  on-stage. Ein unerwünschter Nebeneffekt von Bühnenmonitoren besteht  darin, dass Sound von der Bühne in das Publikum abstrahlt. Gerade die  tiefen Frequenzen werden von den Lautsprechern dabei mehr oder weniger  in alle Richtungen abgestrahlt. Diese Situation erschwert die ohnehin  schon anspruchsvolle Aufgabe des FOH-Ingenieurs, der gegen die lauten  Pegel auf der Bühne ankämpfen muss, um einen sauberen Mix für das  Publikum zu fahren. Die tiefen Frequenzen, die aus den Monitoren  dringen, verwaschen den Mix und können auch die Verständlichkeit der  Vocals beeinträchtigen, vor allem in kleineren Locations. Auch das ist  ein Punkt, der klar für den Einsatz von In-Ear Monitoring spricht.

Portable Konstruktion 

Einfach zu transportieren – das ist ein wichtiges Argument z. B. für  Künstler, die viel unterwegs sind. Stellen wir uns mal ein  durchschnittliches Bühnenmonitor-System vor: 3-4 Wedges zu je 20 kg und  dann noch der eine oder andere Verstärker zu je 25 kg – da kommt ganz  schön was zusammen. Und ein In-Ear Monitoring System? Das passt ganz  bequem in jede Tasche. Ein weiterer, schöner Nebenaspekt von IEM ist die  Ästhetik. Schließlich entfallen klobige Bühnenmonitore inkl.  Verkabelung; da sieht die Bühne gleich viel aufgeräumter aus. Dieser  Punkt ist übrigens gerade für Bands wichtig, die z. B. auf Hochzeiten,  in Kirchen oder bei wichtigen gesellschaftlichen Anlässen auftreten, bei  denen ein professionelles Auftreten genauso unverzichtbar ist wie guter  Sound.

Bewegungsfreiheit 

Bühnenmonitore erzeugen einen Sweet Spot; also einen bestimmten Punkt  auf der Bühne, wo alles ziemlich gut klingt. Wenn du aber nur einen  Schritt nach links oder rechts machst, ist das plötzlich nicht mehr der  Fall. Das liegt in der gerichteten Natur der Lautsprecher, besonders bei  den hohen Frequenzen. Wenn du In-Ear Monitoring nutzt, ist das ungefähr  so, als wenn du Kopfhörer verwendest – der Klang ist immer genau da, wo  du bist. Und diesen Effekt hast du in jeder Location. Da professionelle  Ohrhörer Umgebungsgeräusche wirkungsvoll ausblenden, bleibt nur guter  Sound.

Direkte Kontrolle 

Der wahrscheinlich größte Vorteil von In-Ear Monitoring liegt darin,  den Mix direkt kontrollieren zu können. Klar, der Musiker ist noch immer  auf den Toningenieur angewiesen, der die Feinjustierung übernimmt, aber  In-Ear Monitoring gibt ihm die Möglichkeit, einige Anpassungen selbst  vorzunehmen. Dazu zählen die Lautstärke oder die Möglichkeit,  verschiedene Mixe zu wählen. Soll nun der komplette Mix lauter werden,  kann der Künstler die Lautstärke direkt am Bodypack regeln, anstatt zu  versuchen, dem Monitor-Ingenieur wild gestikulierend diesen Wunsch zu  vermitteln. Noch mehr Kontrollmöglichkeiten bieten Systeme, die mit dem  MixMode® Feature ausgestattet sind. Hierbei kombiniert der  Taschenempfänger den linken und rechten Audiokanal eines Stereosystems  und sendet das kombinierte Signal zu beiden Seiten des Ohrhörers. Die  Eingänge sollten dabei als "Mix 1" und "Mix 2" behandelt werden anstatt  als links und rechts. Der Balanceregler am Empfänger dient als Mix  Control und erlaubt es dem Künstler, zwischen zwei Mixen zu wählen oder  eine Kombination aus beiden zu hören. Dabei kann die Lautstärke von  beiden Mixen kontrolliert werden. So kann sowohl "Mix 1" als auch "Mix  2" lauter gestellt werden – so dass das Ergebnis auf beiden Seiten  gleich laut klingt. Da nun die Kontrolle des Monitormixes in den Händen  des Künstlers liegt, kann sich der Toningenieur besser darauf  konzentrieren, den Sound für das Publikum bestmöglich auszupegeln. Mit  herkömmlichen Wedges war er früher gerne auch mal länger mit dem Sound  für die Band beschäftigt.
Günstigere Systeme, die nur über einen Mono-Modus verfügen, bieten eine  ähnliche Kontrollmöglichkeit. Sie stellen mehrere Eingänge am Sender  bereit, von denen jeder über eine separate Lautstärkekontrolle verfügt.  Konsequenterweise sollte sich der Sender immer in der Nähe des Musikers  befinden, damit dieser etwaige Änderungswünsche schnell umsetzen kann.

In vier Schritten zum eigenen Mix  
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