Die Shure Unidyne Story

Die Shure Unidyne Story

Marc Henshall | April 29, 2014

Goodbye Feedback

Beim Shure Unidyne Mikrofon handelt es sich zweifellos um eine  Ikone der Musikgeschichte. Aber wie kam es überhaupt zu dieser Ikone? Es  begann alles im Jahr 1937 mit der Idee von Shure Ingenieur Ben Bauer,  das erste Unidyne Mikrofon zu entwickeln. Als Treiber der Idee  entwickelte er ein Konzept, durch das die Herstellung eines  unidirektionalen Mikrofons mit einem einzigen dynamischen Element  (Membran) möglich werden sollte. Vor der Unidyne Technologie, wurde für  die Herstellung von direktionalen Mikrofonen auf die Verwendung einer  Kugelcharakteristik in Kombination mit einer bidirektionalen  Richtcharakteristik (Acht) in einem Gehäuse, gesetzt. Mit dem  zusammenmischen der Ausgangssignale beider Kapseln im Verhältnis 1:1,  war das Ergebnis ähnlich einer Nierencharakteristik. Die ersten  Zwei-Membran-Mikrofone hatten viele Nachteile. Zum einen waren sie sehr  groß und unhandlich, zum anderen war die Performance mangelhaft. Da die  omnidirektionalen und die bidirektionalen Mikrofonkapseln nicht  denselben Übertragungsbereich aufwiesen und an unterschiedlichen Stellen  im Gehäuse angebracht wurden, war es schwierig den daraus  resultierenden kombinierten Übertragungsbereich mit der inkonsistenten  Richtcharakteristik zu kontrollieren.

Das Konzept der Zwei-Membraner war alles andere als perfekt, aber  eben auch besser als gar nichts im Kampf gegen die unerwünschten  Rückkopplungen oder Nebengeräusche. Ben Bauer erkannte, dass der beste  Weg, um diese Nachteile zu beseitigen, die Verwendung von nur einer  Mikrofonkapsel war. Er begann mit der Untersuchung der anwendbaren  Physik. Er wusste, wenn nur eine Membran im vorderen Bereich der Kapsel  angebracht werden würde, so wäre das Ergebnis eine omnidirektionale  Richtcharakteristik (Kugel). Im Gegensatz dazu, nimmt ein  bidirektionales Mikrofon den Klang von zwei Seiten – Vorder- und  Rückseite – auf. Bauer schlussfolgerte daraus, dass er, wenn er es  schaffen würde die Rückseite des Mikrofonelements abzublocken,  theoretisch eine Richtcharakteristik erzeugen könnte, die zwischen  omnidirektional und bidirektional liegen würde, was dann einer Herzform  oder auch Nierenform entspricht. So machte er sich daran, diese  hypothetische Kapsel zu erstellen und entwickelte dabei das, was Shure  später als "Unidyne" bezeichnete.

unidyne 

Nach Abschluss der Entwicklungsarbeiten, war Bauer`s Unidyne  Konzept so konstruiert, dass das Mikrofon mehrere Öffnungen auf der  Vorderseite und an den Seiten zeigte und somit die Aufnahme von  Schallwellen auf beiden Seiten der Membran ermöglichte. Die  Schallwellen, welche die Membran von Innen (über die Seitenöffnungen)  erreichen, haben einen längeren Weg zurückzulegen, was zu einer  (zeitlichen) Verzögerung vom Schalleingang über die Seiten und dem  Schalleingang von Vorne führt. Durch die veränderbaren akustischen  Widerstände an den Seiteneingängen, konnte Bauer verschiedene  Richtcharakteristiken wie die Niere, die Superniere oder die Hyper-Niere  mit nur einer Kapsel abbilden. So wurde das erste wirkliche  unidirektionale dynamische Mikrofon Wirklichkeit – Unidyne.

Die Theorien von Bauer bewahrheiteten sich, die Unidyne Kapsel war  berechenbarer und leichter zu handhaben als seine Vorgänger. Es bot eine  unglaublich neue Möglichkeit für die Kontrolle der Rückkopplung und  Reduzierung der Aufnahme von Umgebungsgeräuschen. Außerdem war das  Mikrofon im Vergleich zu anderen, ähnlichen Mikrofonen viel kleiner. Das  Unidyne war seinerzeit das Mikrofon mit der besten Klangqualität und  setzte einen neuen Standard für qualitativ hochwertige Aufnahmen,  kombiniert mit der Minimierung ungewollter Nebengeräusche. In der Zeit  von 1939 bis 1946 blieb das Unidyne weitgehend unverändert. Erst 1951  kam das neue "kleine Unidyne" Mikrofon (mit der Unidyne II Kapsel), mit  verbesserten Eigenschaften, welche das ursprüngliche und erste Unidyne  erfolgreich gemacht hatten, auf den Markt. Wie der Name schon sagt, ist  das "kleine Unidyne" leichter und kompakter als das Original. Die  Unidyne III Mikrofonkapsel kam im Jahr 1960 mit dem Mikrofon 545 auf den  Markt. Shure Ingenieur Ernie Seeler war verantwortlich für die  (Weiter-) Entwicklung der Unidyne-Technologie und der Entwicklung von  Unidyne III.

Das Design brachte wesentliche Veränderungen in der Unidyne-Plattform  mit sich. Es wurde ein höchst durchdachter Erschütterungsabsorber  entwickelt, der hinsichtlich der Reduzierung von Griffgeräuschen, der  Beste seiner Klasse am Markt war. Bei Erschütterungen pumpt ein Kolben  Luft in eine Kammer hinter der Membran. Der Luftdruck auf die Membran  wirkt der eigentlichen Membranbewegung durch die Vibration entgegen. Das  Ergebnis: maximale Isolation von sämtlichen mechanischen Vibrationen.  Eigentlich ist dieser luftgefederte Erschütterungsabsorber eine einfache  Konstruktion, aber die Entwicklung erforderte einen solch enormen  Aufwand, dass es anderen Mikrofonherstellern nie wirklich möglich war  etwas Ähnliches nachzubilden. Hunderte Seiten, gefüllt mit Formeln  höherer Mathematik, haben jeden Aspekt der Kapsel berechnet; von der  Membranresonanz, über das Kapselgewicht, bis hin zu  Widerstandsfähigkeit, Nachgiebigkeit, Luftkompressionen, Geometrie und  Weglänge der Schallwellen im Inneren der Mikrofonkapsel. Alle diese  Eigenschaften stehen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander und  beeinflussen in ihrer Gesamtheit nicht nur den Übertragungsbereich und  die Richtcharakteristik der Mikrofone, sondern auch die Performance des  Erschütterungsabsorbers.

Unidyne story 2_sm57 

1965 bildete die Unidyne III Kapsel und das schlanke Design des 545 die Grundlage für das SM57 Mikrofon, das erste Produkt der legendären SM-Reihe.  Seeler‘s Erschütterungsabsorber im Unidyne III Design eröffnete durch  den handlichen Gebrauch dynamischer Mikrofone überragende Möglichkeiten  für eine neue Generation der Musik und des Gesangs. Bis heute bleibt  ihre Performance unübertroffen.

Marc Henshall

Marc forms part of our Pro Audio team at Shure UK and specialises in Digital Marketing. He also holds a BSc First Class Hons Degree in Music Technology. When not at work he enjoys playing the guitar, producing music, and dabbling in DIY (preferably with a good craft beer or two).