10 Dinge, die Ihr (eventuell) noch nicht über das SM58 wusstet

Michael Pettersen | September 13, 2016

Das Gesangsmikrofon schlechthin feiert dieses Jahr seinen 50. Geburtstag und wir gratulieren mit     ein paar echten Geschichten von damals und heute, zusammengetragen von keinem Geringeren als Michael Pettersen,     Director Corporate History bei Shure. 

Loslegen wollen wir mit ein paar Infos aus der Vergangenheit dieses großartigen Mikros, wobei wir auch ein paar         technische Fakten beleuchten.

1. Das "SM" bei SM58 steht für Studio Microphone.

Shure Mikrofone waren schon seit nahezu drei Jahrzehnten im         Live-Bereich unterwegs als die damaligen Geschäftsführer von Shure Anfang der 1960er ein gewisses Potenzial im         Radio- und Broadcast-Markt erkannten. Und genau dieses Potenzial führte zur Entwicklung der SM Mikrofonserie. Die Modelle SM57         (1965) und SM58 (1966) basierten auf dem Unidyne II 546 (1959), das vor allem in Verbindung mit PA Systemen zum         Einsatz kam. Diese neuen SM Modelle waren tatsächlich für Fernsehstudios gedacht - ohne Ein/Aus-Schalter und in         einem dunkelgrauen Farbton, der jegliche Reflexionen von Studioscheinwerfern eliminierte.     

Rock Stonehenge, 7/25/06, 1:59 PM, 8C, 9340x13820 (170+425), 142%, Holly 2, 1/30 s, R73.5, G49.5, B64.8
2. Die Produktion des SM58 wäre 1970 beinahe eingestellt wurden.

Es gab einen Mitbewerber, der im Broadcastmarkt so gesetzt war, dass die erwarteten Begeisterungsstürme ob des         SM58 doch ziemlich verhalten ausfielen. Die Verkäufe waren minimal und so kamen natürlich Pläne auf, die         Produktion von SM58 und SM57 einzustellen. Ein damaliger Shure Sales Manager schlug dann als letzten Versuch         vor, die Mikros bei ein paar Sound-Engineers in Las Vegas zu platzieren. Die Mikrofone punkteten in allen         Bereichen und zahlreiche Entertainer begannen, die SM Modelle für ihre Live-Auftritte zu verwenden. Der Rest         ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

3. Verpass dem SM57 einen kugelförmigen Grill und Du bekommst ein SM58.

Beide Modelle basieren auf dem Unidyne III Kapseldesign von Shure Ingenieur Ernie Seeler aus den späten 1950er         Jahren. Der Haupt-Unterschied zwischen dem SM57 und dem SM58 ist das Design des Grills. Da das SM58         für Vocal-Anwendungen gedacht war, kam hierbei ein runder Grill zum Tragen, da dieser gleichzeitig als äußerst         effektiver Popfilter diente. Beim SM57, das als Instrumentenmikrofon konzipiert war, erwies sich ein schmaler         Grill als praktikabler. Hierbei sind Pop- und Zischlaute auch kein Thema.

4. "These go to eleven". Vielleicht sogar bis 12?

[youtube=4xgx4k83zzc]

Jetzt aber mal im Ernst: Wieviel SPL verträgt das SM58? Ab wann stellen sich Störgeräusche ein? Die Antwort         lautet: viel höher als für Eure Ohren gut wäre. Das SM58 kann mit 150 bis 180 dB SPL umgehen, ein Schalldruck,         der ungefähr dem Lärm einer startenden Rakete entspricht. Ein dynamisches Mikrofon wie das SM58 wird wohl kaum         jemals an diesen Punkt kommen - zumindest nicht unter normalen Bedingungen.

10-facts-sm58-06
5. Schwerelosigkeit ist kein Thema für das SM58.

In einem Interview mit der New York Times, wurde ein SM58 von sechs Astronauten auf der ISS verwendet:     

http://www.nytimes.com/video/science/space/100000000779756/interview-with-space-station-astronauts.html

Der Sound war 1a und es ergab sich dadurch eine Testumgebung, wie sie kein Shure Ingenieur sonst hätte         realisieren können: die Klangeigenschaften des SM58 in der Schwerelosigkeit.

10-facts-sm58-02
6. Ernie Seeler, der Mann hinter dem SM58, hatte nichts für Rock'n'Roll übrig.

Irgendwie ist es ja schon ein bisschen ironisch, dass ausgerechnet ein eher stiller Zeitgenosse, der ein Faible         für klassische Musik hatte, ein Mikrofon entwickelte, dass als Synonym für Rock'n'Roll gilt und direkt von Bands         wie The Who oder The Rolling Stones genutzt wurde.

laediertes-sm58
7. Das SM58 ist praktisch unzerstörbar.

Das SM58 kommt schon seit längerem immer wieder in Videos zum Einsatz, in denen unser Shure Kollege Mike Lohman         das Mikrofon echten Härtetests unterzieht. Und was das SM58 da nicht alles mitmachen musste - es wurde aus einem         Hubschrauber geworfen, in Guinness eingetaucht, abgeschossen, von einem Tourbus überrollt, in den Pazifik         geschleudert, neben ein paar Hot Dogs gegrillt und von den Chicago Wolves beim Eishockey als Puck verwendet:     

Schon Ernie Seeler unterzog die Unidyne III Kapsel damals in den 1960ern anspruchsvollen Tests, die Fallen,         Kochen, Einfrieren und Eintauchen beinhalteten. Dank dieser hohen Qualitätstandards gilt das SM58 auch heute, 50         Jahre später, als praktisch unzerstörbar.

8. Die SM58 ist die Nummer 1 bei Shure Funksystemen.

Momentan gibt es 14 Kapseloptionen, die mit unseren Shure Funksystemen verwendet werden können. Diese reichen vom preisgünstigen PGA58 bis zum brandneuen KSM8         Dualdyne. Nach wie vor steht aber das SM58 ganz oben auf der Einkaufsliste und ist für jede Shure         Funkserie erhältlich.     

10-facts-sm58-04
9. Das interne akustische Design des SM58 findet sich bereits im Unidyne Model 55 von 1939 wieder.

Alle gerichteten Mikrofone mit Nierencharakteristik beinhalten das gleiche Design, mit dessen Konzeption Ben Bauer im Jahre 1937 begonnen hatte und das sich im Unidyne Model 55 (1939) wiederfindet. Ernie Seeler hat diese Technologie in den 50er Jahren weiter verfeinert und u. a. um einen internen Erschütterungsabsorber ergänzt. Das         Ergebnis war die Unidyne III Kapsel, die wiederum beim SM58 Verwendung findet.

10-facts-sm58-05
10. Zahlreiche Künstler schwören auf dieses Mikrofon.

Das SM58 ist unter anderem das Mikro der Wahl für Roger Daltrey, Paul McCartney, Henry Rollins, Patti Smith, Alice Cooper, Megadeth und zahllose weitere Musiker - überall auf der Welt.     

Weitere Infos rund um das SM58, seine Geschichte und die Künstler, die es nutzen, findet Ihr unter http://sm58.shure.com 

Michael Pettersen

Mit dem Bau eines Detektorradios in seiner Kindheit begann Michael Pettersens Faszination für Musik, Ton und Audiotechnik. Heute ist er Director of Corporate History. Seit 1976 bei Shure Incorporated angestellt, ist er Autor zahlreicher Fachbeiträge im Bereich der professionellen Audiotechnik und war an dem 1.550-seitigen Referenzband „Handbook for Sound Engineers“ beteiligt. Des Weiteren arbeitet Michael als professioneller Musiker, veröffentlicht Chorsatz-Arrangements, ist Mitautor einer Biografie des Jazzgitarristen Freddie Green und außerdem als großer Erzähler bekannt.