Wie nutze ich ein professionelles Mikrofon an meinem Laptop, PC oder Mac?

Wie nutze ich ein professionelles Mikrofon an meinem Laptop, PC oder Mac?

Jürgen Schwörer | July 29, 2012

Soll ein professionelles  Mikrofon – wie beispielsweise das SM58 – an einen Laptop (oder  Mac/PC) angeschlossen werden, so stößt man auf erhebliche Probleme.  Laptops bzw. OnBoard-Soundkarten haben zwar einen Mikrofoneingang,  dieser ist aber mit einem 3,5 mm Klinkenstecker ausgestattet. Das erste  Hindernis ist also, das richtige Kabel zu finden. Der XLR Ausgang des  Mikrofons muss auf den Klinkenstecker adaptiert werden.

Ist dieses Hindernis überwunden, wozu häufig ein Lötkolben benutzt  werden muss, da im Fachhandel nur spärlich das passende Kabel angeboten  wird und auch das Shure PR325 im Handel kaum zu finden ist, kommt die  nächste Enttäuschung: Das Signal ist zu leise, beziehungsweise viel zu  verrauscht. Dies liegt an der zu geringen Eingangsempfindlichkeit der  Soundkarte. Das Signal des Mikrofons ist zu gering und muss somit in der  Software noch lauter gerechnet werden. Dies führt zu einem erhöhten  Rauschteppich.

Fazit: Ein direkter Anschluss ist zwar möglich, aber unter starker Einschränkung der Klangqualität.

Mögliche Lösungen 

Lösung 1: passiver Übertrager 

Mit Hilfe eines passiven Übertragers wie dem Shure A96F kann das  Signal bis zu 12 dB „verstärkt“ werden. Allerdings wird das Mikrofon mit  einem niederohmigen Anschluss belastet und dies kann zu  Klangbeeinflussung führen. Deswegen eignet sich diese Methode lediglich  als „quick and dirty“ Lösung; vor allem bei Einsätzen, bei denen keine  Steckdose ist der Nähe ist. Dies funktioniert lediglich mit dynamischen  Mikrofonen.

Lösung 2: kleines Mischpult 

Das Mikrofon-Signal mittels kleinem Mischpult auf Line-Level  verstärken und dann den Line-In der Soundkarte nutzen. Auch hier wird  wieder ein Adapterkabel von XLR (w) auf 3,5 mm Klinke benötigt. Das  Signal kann der Soundkarte dadurch allerdings mit adäquatem Pegel  geliefert werden, so dass die Verstärkung in der Software entfällt und  somit (je nach Soundkarte) ein genügend großer Signal-Rauschabstand  erzielt werden kann. Wenn das Mischpult Phantomspannung unterstützt,  können mit dieser Lösung auch Kondensatormikrofone verwendet werden.

Lösung 3: USB-Mikrofon 

Ein USB-Mikrofon direkt an den USB-Port des Rechners anschließen. Der  Vorteil: Die Digitalisierung wird schon im Mikrofon vorgenommen und  dabei wird eine bessere Klangqualität erzielt als mit manchen  OnBoard-Soundkarten. Der Nachteil: Der DA-Wandler sitzt im Mikrofon. Man  ist also auf die Verwendung dieses Mikrofons festgelegt. Bei der  Anschaffung eines weiteren Mikrofons muss wieder der Wandler mit bezahlt  werden, dadurch steigen die Kosten. Deswegen gibt es diese Modelle  meist als Allround-Mikro, die universell eingesetzt werden können, wie  beispielsweise das Shure PG27USB oder die Mikrofone aus der Motiv-Serie:  Das MV5, das speziell für Podcasting, Skype oder Voice-Over-Anwendungen  entwickelt wurde oder das MV51, das mit der Großmembran-Kapsel auch  hervorragend für Gesang oder Instrumenten-Abnahme geeignet ist.

Lösung 4a: hochwertige Soundkarten 

Diese werden in den unterschiedlichsten Arten und Preisbereichen  angeboten. Die kleinste Version ist ein einkanaliger Wandler wie  beispielsweise das X2u XLR-auf-USB-Interface oder das Motiv  Interface MVi, das mit verschieden DSP-Voreinstellungen ausgestattet  ist. Dies eignet sich besonders für den mobilen Einsatz (ohne nahe  Steckdose). Vorteile: Sowohl X2u als auch MVi bieten Phantomspannung, so  dass auch Kondensatormikrofone genutzt werden können. Ferner einen  Kopfhöreranschluss, der latenzfreies Abhören* ermöglicht.

Lösung 4b: mehrkanalige externe Soundkarten 

Für kleine Heimstudios geht es dann mit mehrkanaligen externen  Soundkarten weiter, die mittels Firewire oder USB an den Rechner  angeschlossen werden. Oder auch interne PCI-Soundkarten. Wer tiefer ins  Homerecording einsteigen will, ist hiermit bestens bedient. Der Markt  bietet eine sehr große Palette unterschiedlicher Soundkarten. Wichtig  ist, neben der Klangqualität, Treiber mit niedriger Latenz und bei  Verwendung von Kondensatormikrofonen natürlich die Lieferung der  Phantomspannung.

Tipp 

Manche Kondensatormikrofone, insbesondere die, die speziell  für Homerecording entwickelt wurden, lassen sich mit einer Batterie  betreiben. Daher können diese Mikrofone auch eingesetzt werden, wenn  keine Phantomspannung zur Verfügung steht (wie beispielsweise auch  Lösung 1). (SM94)

Infos:

  • *Latenz: Das analoge Signal des Mikrofons wird im  Rechner (oder externer Soundkarte) digitalisiert. Soll das aufgenommene  Signal wieder ausgespielt werden (als Monitor-Signal), so treten  Verzögerungen auf (Latenz). Bei den üblichen OnBoard-Soundkarten kann  dies bis zu einer viertel Sekunde dauern. Das ist natürlich viel zu  lang, um im „Takt zu bleiben“. Professionelle Soundkarten bieten eine  Latenz von 4 ms oder gar weniger.
    Der X2u hat aus diesem Grund einen Kopfhörer-Ausgang, der das Signal vor der Digitalisierung latenzfrei ausspielt.
  • Anschlussbelegung Adapterkabel XLR – 3,5 mm Klinke:
Jürgen Schwörer

Jürgen ist seit 2000 Applications-Engineer bei Shure und damit Ansprechpartner für alle technischen Fragen insbesondere über die Anwendung von Mikrofonen, Funkmikrofonen und In-Ear-Monitoring – aber auch Mischer, Konferenzanlagen und Phono-Nadeln. Durch sein Elektrotechnik Studium „Bild- und Tontechnik“ an der Universität Karlsruhe erlangte Jürgen die theoretischen Grundlagen. Jürgen ist aber selbst Musiker (Klavier/Keyboard, Gitarre, Cajon) und kennt die Branche auch von der aktiven Seite auf der Bühne.