Mikrofonierungs- und Recording-Tipps für den Bass

Mikrofonierungs- und Recording-Tipps für den Bass

Marc Henshall | February 23, 2015

Der Bass ist eine der wichtigsten Komponenten  eines Musikstücks und bei vielen Stilrichtungen ist es tatsächlich so,  dass ohne Bass schlicht und ergreifend gar nichts geht. Um's mal so ein  bisschen metaphorisch zu sagen: Wenn wir die Musik als Gebäude  betrachten, ist der Bass das Fundament. Wird er professionell und gut  gespielt, harmoniert der Bass problemlos mit dem Rest der Band und legt  damit einen soliden musikalischen Grundstein für einen Song. Allerdings  tun sich vor allem Einsteiger mit der Abnahme der Bassgitarre manchmal  etwas schwer und die Ergebnisse klingen unausgegoren oder matschig. Aber  wie so oft, lautet auch hier die Devise: Es ist gar nicht so schwer,  wenn man nur weiß, wie's geht. Ein paar Tipps hierzu findet Ihr in  diesem Artikel.

KSM-Mikrofone-Verstärker

Das Setup - ist Euer Bass in Form?

Den Hinweis, dass es eines wirklich guten Bass-Spielers bedarf, um  professionelle Ergebnisse zu erzielen, sparen wir uns. Was wir uns nicht  sparen, ist einen Querverweis auf unseren letzten Beitrag über die  Abnahme der Akustikgitarre, denn auch beim Bass geht es in erster Linie  erst einmal um das Instrument an sich. Also schaut Euch zunächst mal an,  wie es um Eure Gitarre bestellt ist. Und denkt immer daran, Euren Bass  vor und zwischen den Aufnahmen zu stimmen.

Die drei typischen Methoden der Bass-Abnahme

Es gibt drei typische Methoden, eine Bassgitarre abzunehmen, die da wären:

  1. Direktes Recording unter Verwendung einer DI-Box
  2. Nutzung eines Mikrofons
  3. Kombination aus DI-Box und Mikro

Für welche Variante Ihr Euch entscheidet, bleibt natürlich Euch  überlassen. Aber lasst uns die einzelnen Optionen mal kurz durchgehen.

Soll ich eine DI-Box verwenden?

Da spricht im Prinzip nichts dagegen. Viele setzen bei der Abnahme  ihrer Bassgitarre auf eine DI-Box. Diese Methode liefert einen ganz  guten Sound, der allerdings oftmals als etwas unnatürlich und analytisch  beschrieben wird. Für einen natürlichen, runden Sound solltet Ihr die  Bassbox mit einem Mikrofon abnehmen; nichtsdestotrotz spricht aber auch  einiges für die DI-Boxen:

  • Sie bieten eine Art Backup, mit dem Ihr später problemlos reampen könnt.
  • Zusammengemischt mit dem Mikrofonsignal können Frequenzen verstärkt werden, die so nicht vom Bass-Amp wiedergegeben werden.

Entschließt Ihr Euch aus praktischen oder Kostengründen dazu, nur  eine DI-Box zu nutzen, könnt Ihr Euer Signal ordentlich verbessern,  indem Ihr per Software-Plugin den Amp simuliert. Da gibt es viele gute  Produkte, die in den letzten Jahren immer besser geworden sind.  Inzwischen könntet Ihr sogar mit Programmen wie Garage-Band ganz gute  Ergebnisse bekommen.

Radial-Pro-DI-Box 

Die Bass-Abnahme mit einem Mikrofon - achtet bei der Wahl des Mikros auf den Frequenzgang und den SPL

Falls Ihr im Besitz eines großartig klingenden Bassverstärkers seid,  könnt Ihr mit einem Mikrofon die besten Resultate erzielen. Wenn Ihr ein  Mikro für Eure Bassgitarre sucht, müsst Ihr a) auf den Frequenzgang  achten und b) prüfen, wie gut das Mikro mit hohen Schalldruckpegeln  (SPL) zurechtkommt.

  1. Ihr benötigt einen Frequenzgang, der optimal zum Bass passt. D.h.,  er sollte im unteren Bereich ausgeprägt sein, in den Mitten schwächer  und mit einem Peak bei 3-5 kHz.
  2. Logisch, eine Bassgitarre erzeugt ordentlich SPLs. Diese können  i.d.R. von dynamischen Mikrofonen besser bewältigt werden. Allerdings  sind Kondensatormikrofone nicht vollkommen abwegig. Dazu gleich mehr.
Ein Kondensatormikrofon am Bass?

Klar, dynamische Mikrofone sind geradezu prädestiniert für die  Abnahme von Bassgitarren. Aber sie drücken der Aufnahme auch ihren  eigenen Sound auf, was in ihrem starken konturierten Frequenzverlauf  begründet liegt. Wenn Ihr nun einen möglichst natürlichen Klang sucht,  könntet Ihr durchaus ein Kondensatormikrofon in Betracht ziehen. Dabei  müsst Ihr allerdings aufpassen, dass Euer Bassverstärker auf einem  akzeptablen Pegel läuft. Wenn das Signal zu heiß ist, könnt Ihr auch ein  Pad zuschalten. Ein Pad kann am Vorverstärker oder (falls Euer Modell  das Feature hat) direkt am Mikro aktiviert werden. Mit einem Pad könnt  Ihr Euer Signal normalerweise um 10-15 dB absenken.

Die Platzierung des Mikrofons - experimentiert mit verschiedenen Positionen und Entfernungen

Da es die ultimative Mikrofonplatzierung einfach nicht gibt, solltet  Ihr Euch die Zeit nehmen, mit verschiedenen Positionen und Distanzen zu  experimentieren. Checkt dann jeweils die Ergebnisse, um herauszufinden,  was für Euch den besten Sound bringt.

Startet damit, das Mikrofon zur Lautsprechermembran auszurichten.  Damit könnt Ihr ganz einfach, abhängig vom Abstand zur Mitte des  Lautsprechers, einen klaren oder einen wärmeren Klang einfangen. So grob  lässt sich sagen: Wenn Ihr das Mikro in Richtung Lautsprecher-Rand  platziert, bekommt Ihr einen warmen Ton, während die Ausrichtung in die  Mitte mit mehr Höhenanteilen deutlich mehr Biss erzeugt.

Auch das Gitter der Box kann sich bei der Mikrofonplatzierung auf den  Sound auswirken. Jedes Mikro ist anders, daher achtet unter Verwendung  eines guten Kopfhörers auf die Unterschiede bei der Positionierung.  Entfernt Ihr das Mikrofon vom Lautsprechergitter, verändert sich der  Sound von trocken, fokussiert und direkt zu natürlich, räumlicher. Dann  gibt es natürlich noch den Nahbesprechungseffekt. Hier werden die tiefen  Frequenzen stärker betont, wenn ein gerichtetes Mikro näher an die  Schallquelle gebracht wird. Viele Toningenieure arbeiten mit diesem  Effekt, um Gitarren mehr Tiefe zu verleihen. Variiert doch einfach mal  mit den Abständen zwischen 10 und 45 cm, je nachdem, wie viel Raum Ihr  Eurem Sound geben wollt.

Eine Sache, die oft komplett ausgeklammert wird, ist der Bodenbelag.  Wenn Ihr z. B. Euren Verstärker auf festen Untergrund stellt, dürften  die Reflektionen zu einem höheren Klang führen als wenn er auf einem  flauschigen Flokati steht. Vergesst nicht, dass Ihr mehr Raumklang  einfangt, je weiter Mikro und Verstärker voneinander entfernt stehen. Ob  das nun gut oder schlecht ist, hängt von Eurem persönlichen Geschmack  und Musikstil ab.

Recording-Bass-Cabinet 

(Ideal für den Bass: Shure PGA52)

Ein bisschen Info zu Richtcharakteristiken - die Niere  unterdrückt Nebengeräusche, die Kugel nimmt den Schall von allen Seiten  auf

Die Nierencharakteristik wird bei der Abnahme der Bassgitarre am  häufigsten eingesetzt. Ihre gerichtete Form ermöglicht eine gute  Unterdrückung von Raumklang und anderen Instrumente. Dafür müsst Ihr auf  den o. g. Nahbesprechungseffekt achten, der nur bei gerichteten  Charakteristiken auftritt.

Wollt Ihr diesen Effekt vermeiden und einen natürlicheren Sound  erreichen, könnt Ihr Euer Glück durchaus auch mal mit einer  Kugelcharakteristik versuchen. Kugeln sind dafür bekannt, einen  natürlichen, offenen Klang zu produzieren. Nachteil: Sie nehmen dadurch  auch jede Menge Schall auf, der überhaupt nicht zum eigentlich  mikrofonierten Instrument gehört. 

Die Mischung aus DI und Mikrofon-Signalen

Für viele Ingenieure ist die Kombi aus Mikrofon und DI Box das einzig  Wahre bei der Abnahme der Bassgitarre. Sie nehmen dabei den Bass  meistens mit drei bis vier Spuren auf – eine für die DI Box und die  anderen für Mikros. Ihr könntet z. B. ein dynamisches Kick Drum Mikro  direkt vor dem Lautsprecher verwenden, ein Kondensatormikro in etwas  Entfernung und dann die beiden Spuren mit dem DI Signal mischen. Danach  habt Ihr die Möglichkeit, die Spuren für verschiedene Musikstile  anpassen zu können. Nehmt Euch Zeit und seid ruhig etwas  experimentierfreudiger. Die Gitarre, der Verstärker, der Raum an sich –  all das kann den Sound beeinflussen. Probiert aus und vertraut Eurem  Gehör. Wenn ein Ergebnis für Euch gut klingt, dann ist es auch gut!

Mixing - das Zusammenspiel von Schlagzeug und Bass

Nach den Aufnahmen geht es ans Abmischen. Ein guter Mix fängt mit  Kick Drum, Snare und Bass an. Die Mischung aus diesen Spuren muss  unbedingt stimmen, nur so bekommt Ihr das sagenumwobene Fundament, das  wir am Anfang dieses Artikels angesprochen haben. Nehmt Euch die Zeit  für die Abstimmung des Beats und des Timings von Schlagzeug und Bass,  bevor Ihr mit dem gesamten Mix loslegt. Das Abstimmen schließt  Schneiden, Verschieben und manchmal auch Strecken einiger Töne innerhalb  der Spuren mit ein. Moderne Recording-Software unterstützt Euch hier  ganz gut, teilweise sogar automatisiert, allerdings kann das Euren Sound  auch künstlich verfälschen. Wenn Ihr wollt, dass Eure Aufnahme so  natürlich wie möglich bleibt, reduziert die Nachbearbeitung auf das  Notwendigste. Stellt Ihr beim Abmischen fest, dass Ihr zu viel  eingreifen müsst, ist eine neue Aufnahme oft die bessere Alternative.

Wichtig ist das Timing Eures Beats. Ihr braucht eine Referenz, um die  Gesamtaufnahme danach zu mischen. Normalerweise nimmt man hierfür das  Schlagzeug. Achtet auf das Zusammenspiel von Kick Drum, Snare und Eurer  Bassgitarre. Diese "Rhythmusgruppe" muss gut zusammen funktionieren, um  ein solides Fundament zu bilden. Ist das nicht der Fall, könnt Ihr Euch  alle weiteren Maßnahmen vermutlich sparen.

Wenn Ihr dann mit Eurer Aufnahme soweit zufrieden seid, hört, wie  sich der Bass inmitten Eures Mixes macht. Achtet dabei auf folgendes:

EQ - versucht nicht, Kick Drum und Bass gleich zu bearbeiten

Wo Ihr bei Eurer Bassgitarre den EQ anhebt oder absenkt, wirkt sich  extrem auf den Gesamtsound aus. Einen durchsichtigen Mix erhaltet Ihr,  wenn die Kick Drum und die Bassgitarre frequenzmäßig in  unterschiedlichen Bereichen arbeiten. Wenn Ihr z. B. 80 Hz bei der Kick  Drum anhebt, solltet Ihr das gleichermaßen beim Bass absenken und  stattdessen, z. B. bei 100 – 150 Hz, den Bass im Vergleich zur Kick Drum  hervorheben. Mit dieser Strategie könnt Ihr die tiefen Frequenzen  besser in den Griff bekommen und habt am Ende einen aufgeräumten Mix.

Oft profitiert die Bass-Spur von einer dezenten Anhebung in den  Höhen. Dabei solltet Ihr mit einem linearen Kopfhörer gut darauf achten,  welche Frequenzen Präsenz oder Attack verleihen, ohne dass sich die  Bass-Spur und andere Percussion-Spuren in die Quere kommen. Denn wie  schon erwähnt ist es wenig sinnvoll, die Bass-Spur in Frequenzbereichen  anzuheben, in denen schon andere Instrumente arbeiten, wie z. B. die  Kick Drum. Jede Spur muss individuell im Frequenzspektrum angeordnet  werden.

Abschließend können wir festhalten, dass man eine Spur nie isoliert  betrachten sollte. Ihr seid auf das Zusammenspiel der einzelnen  Instrumente angewiesen, um einen guten Gesamtsound zu bekommen.

Anmerkung: Hört Euren Mix mit verschiedenen Systemen ab!

Beim Bass ist es besonders wichtig, den Mix mit verschiedenen  Audiosystemen anzuhören. Eine tiefgestimmte Bassgitarre kann sich mit  einem hochwertigen Studiosystem toll anhören, während es mit  Consumer-Systemen oder Billig-Ohrhörern ein enttäuschendes Ergebnis  geben kann. Wenn Euer Bass-Sound eine gesunde Mischung aus tiefen und  mitteltiefen Frequenzen enthält, stehen die Chancen gut, dass er mit  unterschiedlichen Systemen gut klingt. 

Zusätzlich solltet Ihr beachten, dass Bass-Signale erheblichen  Einfluss auf den Master-Fader haben. Wenn Ihr Schwierigkeiten habt, den  Bass gut hörbar im Bandmix unterzubekommen, versucht, etwas von den  Tiefen rauszunehmen. Damit solltet es funktionieren, das System  aufzudrehen, ohne ins Clipping zu kommen. 

Kompression - Attack- und Relase-Zeiten

Kompression sollte grundsätzlich beim Bass verwendet werden, um ein  gleichmäßiges Bass-Signal zu bekommen. Wie viel Ihr komprimieren müsst,  richtet sich danach, wie Ihr den Track aufgenommen habt. Bei einer  Bass-Spur, die mit einer DI Box abgenommen wurde, ist meistens mehr  Kompression vonnöten als bei einer, die mit einem Verstärker und einem  Mikrofon recorded wurde. Das hängt damit zusammen, dass der Amp  naturgemäß bereits etwas komprimiert, das gilt vor allem für  Röhrenverstärker. Der Kompressionsgrad sollte so dosiert sein, dass die  Aufnahme geglättet wird, der Ur-Punch aber beibehalten wird. Wenn die  Attack-Zeit zu klein ist, schneidet Ihr die Anschläge ab. Die  Attack-Zeit sollte aber auch nicht zu groß sein, da der Sound sonst  schwammig wird und damit der Groove fehlt. Auch die Release-Zeit muss  passen, damit die Dynamik erhalten bleibt. Ist die Release-Zeit zu kurz,  wird die Kompression sofort gestoppt, wenn das Signal unter dem  Schwellwert (Threshold) liegt. Ist sie zu lang, reagiert der Kompressor  kaum noch auf kurzfristige Pegelschwankungen und zerstört damit die  Dynamik. Ihr könnt auch die automatische Attack- und Release-Funktionen  austesten, wenn Ihr bei den Parametern unsicher seid. Die Parameter  hängen aber auch sehr stark von Eurem eigenen Stil und dem gewünschten  Ergebnis ab.

Effekte - verwendet nur wenig Hall in Kombi mit etwas Pre-Delay

Zu viel Hall auf tiefe Frequenzen kann einen Mix leicht zerstören und  schwammig machen. Der Trick ist, nur ein wenig Hall mit ein bisschen  Pre-Delay zu verwenden. So kann man das eigentliche Bass-Signal vom  Effektanteil unterscheiden. Der Hall sollte immer so dosiert werden,  dass er dabei hilft, eine Runde Mischung entstehen zu lassen, ohne dabei  zu sehr zu dominieren oder zu verwaschen. Hier hilft es auch, den  Effekt während des Einstellens zu muten und damit zum Original  gegenzuhören.

Shure-Beta27 

Fazit

Wie so oft beim Recording, gibt es auch bei der Bassgitarre kein  Richtig oder Falsch. Es gibt nur Hilfestellungen und Tipps und viel  Hören und Ausprobieren.

Marc Henshall

Marc forms part of our Pro Audio team at Shure UK and specialises in Digital Marketing. He also holds a BSc First Class Hons Degree in Music Technology. When not at work he enjoys playing the guitar, producing music, and dabbling in DIY (preferably with a good craft beer or two).