Mehr Schein als Sein: Wenn der Klang im Konferenzraum leidet

Mehr Schein als Sein: Wenn der Klang im Konferenzraum leidet

Andrew Low | January 24, 2018

Gute Architektur sollte  sowohl Stil als auch Substanz verkörpern. Wenn sich aber im  Konferenzraum die „Form“ nicht der „Funktion“ unterordnet, leidet die  Audioqualität.

Britische Architekten werden oft zu den besten ihrer Zunft weltweit  gezählt. Sie sind bekannt für ihre kreativen Entwürfe, wie  beispielsweise den Trend der letzten Jahre, Büros um natürliche  Lichtquellen herum zu planen.

Wenn mit viel Glas und anderen reflektierenden Materialien so viel  Sonnenlicht wie möglich konzentriert wird, kann dies das Wohlbefinden am  Arbeitsplatz steigern. Wenn allerdings die „Form“ nicht der „Funktion“  folgt, kann oft selbst die beste AV-Technik einen Konferenzraum nicht  vor seiner schlechten Akustik retten.

Oberste Priorität für AV 

Shure hat mit führenden AV-Integratoren über diese Herausforderung  gesprochen: Heraus kam, dass die Berücksichtigung der AV-Technik in  Objekt-Projektplänen deutlich früher erfolgen sollte, bestenfalls  bereits in der Phase der konzeptionellen Gestaltung und Planung von  Büroflächen.

„Bei einigen Projekten war die akustische Umgebung eine ziemliche  Herausforderung“, so Dave Grimwood, Pre-Sales Team Leader bei dem  internationalen AV-Unternehmen Electrosonic. „Wir sehen dies oft bei  Neubauten - sie bestehen aus sehr viel Glas und offenen Flächen, was gut  aussieht, aber auch negative Auswirkungen auf das Erreichen  erstklassiger Audioqualität hat.“ Zwar könne AV-Technik dazu beitragen,  die Akustik zu verbessern, sie könne aber nicht das ganze Problem lösen,  sagt Grimwood und betont: „Firmen geben viel Geld für AV-Technik aus,  aber um erfolgreiche Konferenzen abhalten zu können, muss die Sache auch  richtig angegangen werden.“

Schlechter Klang in Boardrooms und Besprechungsräumen sei zu einem  echten Problem geworden, meint Nevil Bounds, Key Account Director beim  AV-Integrator Feltech. Schuld daran ist meist die schlechte Raumakustik.

„Oft ist ein AV-Konferenzraum ein netter rechteckiger Raum, der  meistens auch noch mit vielen harten Oberflächen versiegelt ist und über  furchtbare Nachhallzeiten verfügt,“ sagt er. „Das Bild auf dem Display  sieht absolut fantastisch aus, aber der Klang kann schon erbärmlich  sein. Dabei spielt es kaum eine Rolle welchen digitalen Signalprozessor  oder welche Mikrofone man benutzt - wenn der Raum lange Nachhallzeiten  oder Geräusche von Heizung, Ventilatoren oder Klimaanlage aufweist, wird  der Klang unbefriedigend sein.“

Stuart Davidson, Technischer Direktor beim globalen AV-Integrator  AVMI stimmt dem zu: „Es ist einfach ein grundlegender architektonischer  Fehler. Der aktuelle Trend geht hin zu Glasgebäuden und schallharten  Büromöbeln – doch weder das eine noch das andere ist für den Ton gut“,  sagt Davidson und erklärt, dass AVMI normalerweise erst gegen Ende eines  Projektes hinzugezogen wird, wenn die Planung bereits längst  abgeschlossen ist. „AV als wesentlichen Bestandteil einer Büroplanung zu  akzeptieren und so früh wie möglich zu Beratungszwecken zu involvieren,  wäre hilfreich.“

Hochwertiges Audio erreichen 

Auch der Shure UK Regional  Sales Manager John Ellis glaubt, dass die AV-Planung früher einsetzen  sollte: „Guter Klang bei Konferenzen und Besprechungen fängt bereits bei  der architektonischen Konzeption eines Büros an. Einige Firmen nehmen  dies mittlerweile ernst und beauftragen Akustikfachleute und  Architekten, die Hand in Hand arbeiten. Dennoch gibt es immer noch viele  Unternehmen, für die Style und Optik eines Konferenzraumes eine  wichtigere Rolle spielt als die eigentliche Funktion des Raumes.“

Zwar sieht das englische Gleichbehandlungsgesetz (DDA) vor, dass in  öffentlichen Gebäuden Induktionsschleifen für Hörgeschädigte installiert  werden müssen, es fehlen jedoch Regelungen, die das Einhalten gewisser  Parameter bei der Raumakustik einfordern. Lediglich neu gebaute  Klassenräume in Schulen müssen bestimmte akustische Vorgaben erfüllen,  um den Kindern eine angenehme Hörumgebung zu bieten.

„Aufklärung ist entscheidend für die Weiterentwicklung von AV in  Büroumgebungen“, sagt Ellis. „Wir haben gute Verbindungen zum AV-Team  des „Royal Institute of British Architects“ und es entstehen weitere  Initiativen, die Architekten helfen sollen, AV-Raumakustik besser zu  verstehen.“

Beispielsweise sollten Architekten, die Konferenzbereiche in  Büroumgebungen entwerfen, Wände nicht planparallel anordnen,  Teppichböden in Betracht ziehen und Klimaanlagen in den Decken  bestmöglich akustisch dämmen. Es ist auch darauf zu achten, dass  möglichst wenig schallharte Oberflächen, gerade auch bei der Möblierung,  verwendet werden. Einzelne, von der Decke abgehängte, Diffusoren oder  Leuchten mit akustischen Eigenschaften sind ebenfalls hilfreich und  können sogar zum eigenständigen architektonischen Feature werden.  Effizient sind auch Gardinen und dicke Vorhänge sowie Absorber, die in  Form von Anstrichen oder Trockenbaumaßnahmen in das Design eines  Konferenzraums eingebracht werden können.

„Oftmals wird davon ausgegangen, dass gerichtete Mikrofone all diese  Probleme lösen würden“, sagt Ellis. „Ein gutes Mikrofon mit einer stark  gerichteten Aufnahmecharakteristik wird zwar sicher helfen, es wird  aber, neben der Sprache, trotzdem immer auch die Störgeräusche im Raum  mit aufnehmen. Deshalb können Mikrofone auch in Verbindung mit  entsprechenden Audio-Prozessoren das Problem der schlechten Akustik  allein nicht lösen.“

Um eine perfekte Kombination von Form und Funktion bei der Planung  von Konferenzräumen mit optimaler Audioqualität zu finden, unterstützt  Shure seine Kunden, Akustikplaner, Architekten und AV-Consultants mit  „best practice“-Tipps.

Andrew Low

Andrew ist Systems Marketing Manager UK. Wenn er nicht gerade mit Audio-Installationen beschäftigt ist, spielt er in den Kellern Londoner Kneipen (schlecht) Gitarre. Nach dem Studium an der School of Audio Engineering in New York hatte Andrew vor zehn Jahren den Sprung über den „großen Teich“ nach London gewagt, hat dort aber immer noch Schwierigkeiten mit dem Verstehen des örtlichen Dialekts.