Akustikbehandlungen in Meetingräumen – Einfacher, als Sie vielleicht denken

Akustikbehandlungen in Meetingräumen – Einfacher, als Sie vielleicht denken

Stuart Stephens | April 7, 2017

Akustikbehandlungen in Meetingräumen – Einfacher, als Sie vielleicht denken 

Moderne Konferenz- und Meetingräume sind  berüchtigt für ihre schlechte Akustik. Jeder bevorzugt helle und offene  Räume als Arbeitsplatz. Gleichzeitig müssen diese jedoch auch gut  klingen, um eine effektive Zusammenarbeit zu ermöglichen und die  Produktivität zu steigern.

Architekten und Raumgestalter kreieren unglaublich inspirierende  Arbeitsumgebungen, die jedoch häufig von extrem reflektierenden  Materialien, wie Glas und Metall, dominiert werden. Jede Oberfläche,  inklusive der Personen, trägt ihren Teil zum gesamten Hallraum bei.  Dabei sind Fenster, Trennwände aus Glas, Tische, Computer und Tablets,  harte Böden und Decken die Hauptschuldigen, denn sie tragen kaum bis  überhaupt nicht zur Absorbierung von Schallwellen bei. AV-Techniker, die  versuchen, das Audio-Equipment in einem nicht zu diesem Zweck  entworfenen Raum zu optimieren, verzweifeln daher regelmäßig an ihrer  Aufgabe.

Während professionelle Recording-Studios problemlos mit  Schallwänden, Bassfallen oder Diffusoren optimiert werden können, decken  sich diese Lösungen so gut wie nie mit den Ansprüchen eines Architekten  oder Raumgestalters. Mittlerweile gibt es jedoch zahlreiche Hersteller,  die Schallwände in unterschiedlichen Formen, Größen und Farben  anbieten, um selbst strengen optischen Anforderungen zu genügen.

Reflektionen & Hall

Der Klang in einem Raum setzt sich aus Direktschall,  Erstreflektionen und Hallfahnen zusammen. Der Direktschall gelangt auf  direktem Weg von einem Lautsprecher an das Ohr. Gleichzeitig nehmen die  Schallsignale aus einem Lautsprecher jedoch auch komplexe Umwege über  Wände, Fenster, Böden, Tische und jede andere Oberfläche in einem Raum,  bevor sie beim Hörer ankommen. Jede Reflektion, die das Ohr innerhalb  eines Zeitraums von 50 ms nach dem Direktschall erreicht, zählt zu den  Erstreflektionen und ist von diesem nahezu nicht zu unterscheiden.  Spätere Reflexionen, außerhalb des 50-ms-Fensters, werden dem Hallfeld  eines Raumes zugeordnet.

Wenn Sie sich zum Beispiel in einer Videokonferenz befinden und  einem externen Teilnehmer über Lautsprecher im vorderen Bereich eines  Raums zuhören, hören Sie den Direktschall zuerst, im Anschluss die  Erstreflexionen und zum Schluss die Hallfahne. Wenn ein Raum zu stark  reflektiert, kann der Pegel der Hallfahne Konsonanten verwischen oder  verschlucken, so dass es schwierig wird, die einzelnen Wörter  voneinander zu separieren, was zu einer Verringerung der Produktivität  des Meetings führt.

boardroom

Flatterechos

Flatterechos sind ein weiteres, allzu bekanntes akustisches  Problem in Meetingräumen, das zur Verringerung der  Sprachverständlichkeit beiträgt. Flatterechos entstehen, wenn sich zwei  reflektierende Oberflächen innerhalb eines Raums parallel zueinander  befinden (z.B. Glastrennwände und Fenster) und Schallwellen erzeugen,  die zwischen diesen Oberflächen hin- und herspringen. Im Gegensatz zum  Hall, werden diese Reflektionen aufgrund ihrer repetitiven Natur selbst  unterhalb der 50-ms-Grenze als Flatterechos wahrgenommen.

Stehende Wellen

Flatterechos treten vorrangig bei mittleren bis hohen Frequenzen  auf, seltener bei tieffrequenten Schallwellen. Ein verwandtes Problem  bilden dafür die stehenden Wellen, die auch als Raummoden bezeichnet  werden. Raummoden sind resonante Frequenzen und entstehen auf natürliche  Weise in Abhängigkeit der Abmessungen eines Raums. Es gibt drei  verschiedene Arten von Raummoden: Axiale zwischen zwei parallelen  Oberflächen, tangentiale als Reflexionen zwischen vier Oberflächen und  Raummoden, bei denen Schallwellen an allen sechs Oberflächen eines Raums  reflektiert wird (Boden, Decke sowie alle vier Wände).

Wir konzentrieren uns in diesem Fall auf axiale Moden, bei denen  der Schall direkt auf eine Oberfläche trifft und zurückgeworfen wird.  Durch diese Überlagerung von Direktschall und Reflexionen entstehen  Pegelspitzen. Die Schallenergie springt zwischen den beiden parallelen  Oberflächen hin und her und erzeugt große Pegelanhebungen oder  Absenkungen innerhalb des Frequenzgangs des jeweiligen Raums.

Glücklicherweise lassen sich Raummoden anhand der Abmessungen  eines Raums präzise errechnen und vorhersagen, bei welchen Frequenzen  stehende Wellen zu erwarten sind. Dabei ist es wichtig, zu wissen, dass  zusätzliche stehende Wellen beim Vielfachen (zweite, dritte Harmonische  usw.) der Basiswelle entstehen.

Behandlung reflektierender Räume

Wenn wir über Raumbehandlungen sprechen, müssen wir sowohl absorbierende als auch diffundierende Maßnahmen betrachten.

Absorption reduziert die Schallenergie, die von einer Oberfläche  in einem Raum reflektiert wird, durch den Einsatz bestimmter  Materialien, durch die sich die Schallwelle bewegt. Auf diese Weise  hilft Absorption dabei, das Hallfeld eines Raums zu reduzieren und die  Auswirkungen von Flatterechos und stehenden Wellen zu minimieren.  Absorber basieren üblicherweise auf besonders dichtem Schaum oder  Fiberglas und werden in unterschiedlichsten Formen, Größen und Farben  angeboten.

Es gibt keine Regeln, wie viel Absorption für einen Raum optimal  ist. Es gilt jedoch: Je stärker die Absorption, desto geringer der  Hallanteil. Jeder von uns ist so gut wie permanent von einer bestimmten  Menge an Hall umgeben. Würde man sämtlichen Hallanteil entfernen, klänge  ein Raum vollkommen unnatürlich und „tot“.

Die begrenzenden Faktoren bei der akustischen Behandlung eines  Raums mit absorbierenden Materialien sind üblicherweise Platz und  Budget. Als guter Ausgangspunkt, um den Nachhall eines Raums in den  Griff zu bekommen, kann jedoch gelten, circa 20 Prozent der Oberflächen  eines Raums absorbierend zu gestalten. Falls die Wände aus  unterschiedlichen Gründen nicht verwendet werden können, bieten sich  akustische Deckenplatten an, um die Absorption in einem Raum zu  unterstützen. Auch eine herabhängende bzw. zweite Decke, die nicht  entsprechend behandelt wurde, kann als zusätzliche Quelle störender  Schallreflexion dienen.

Obwohl Diffusoren eher selten in Konferenzräumen anzutreffen  sind, gehören diese in Auditorien zur Standardausstattung, um  Flatterechos zu minimieren und die Akustik des Raums trotzdem lebendig  zu belassen. Wie bereits erwähnt, führt zu viel Absorption häufig zu  akustisch „toten“ Räumen ohne bzw. mit einem extrem gedämpften Hallfeld.  In einigen Fällen kann es sinnvoller sein, die akustische Qualität des  Hallfelds zu nutzen und sich stattdessen nur auf spezifische Probleme,  wie Flatterechos, zu konzentrieren.  Diffusoren bekämpfen Flatterechos,  indem sie die ursprüngliche Schallwelle beim Auftreffen auf eine  Oberfläche gleichmäßig streuen, so dass die Schallanteile in  unterschiedliche Richtungen reflektiert werden und ein diffuses  Klangbild mit einem gleichmäßigen Frequenzgang erzeugen.

Ganz gleich, ob Sie akustische Probleme in einem Raum mittels  Absorption oder Diffusion angehen – wichtig ist es, dass die gewählten  Lösungen das ursprüngliche Design des Raums so wenig wie möglich  beeinflussen und den Kunden optisch überzeugen.

Gute Nachrichten

Die gute Nachricht lautet: Es gibt Mittel und Wege, die  Raumakustik eines offenen und transparent designten Raums zu behandeln,  ohne ihn mit allzu aufdringlichen Akustikmaterialien optisch zu  ruinieren. Produkte wie die Akustikpanels lassen sich von der Decke  herabhängen und wirken viel diskreter als an den Wänden montierte  Panels.

Die meisten Akustikpanels sind farblich personalisierbar und als  Decken- oder Wandpanels erhältlich, ermöglichen eine Absorption ohne  ästhetische Auswirkungen, reduzieren den Hallanteil und führen so zu  einer effektiven Verbesserung der Sprachverständlichkeit in  Meetingräumen, Konferenzzentren, Bildungseinrichtungen, Eventlocations  und mehr.

Stuart Stephens

Stuart Stephens ist Product Management Specialist bei Shure EMEA mit Erfahrung im technischen Vertrieb und Application Support. Er ist kompetenter Trainer für kabelgebundene und drahtlose Shure-Mikrofontechnik und Audio- Networking-Seminare.